Offensichtliches zu vergessen liegt nicht in der Natur von Müttern. Wir wissen, wann wir Geschenke zu besorgen haben und welcher Feiertag kurz bevor steht. Unsere Kalender sind voll von Erinnerungen, Merkzettelchen und Haft-Notizen, damit wir auch wirklich an alles denken.

Spannend wird es, wenn dann wirklich alle Systeme versagen, man sich in Sicherheit wiegt und dann feststellt "Uh! Ich habs vergessen!".

Und genau das ist  mir passiert. Ich hab den Nikolaus-Tag vergessen! Zum Glück nicht ganz zu spät, aber sportlich wars dann schon. Mit diesem Beitrag bewerbe ich mich für den scoyo ELTERN! Blog Award 2017. Lest hier, was mir passiert ist:

Nikolaus Geschenke

Wir warten auf den Nikolaus

Es ist Montagnachmittag, der fünfte Dezember. Ich sitze mit den Kindern am Küchentisch. Die Tochter lernt auswendig, aus welchen Bestandteilen das Wappen von Baden-Württemberg besteht.

„Franken, Hohenzollern, Baden, Württemberg, … äh…. weiß nicht mehr.“

Das Söhnchen ergreift das Wort.

„Ich freu mich so auf den Nikolaus!“ er strahlt erwartungsfroh und malt währenddessen viele Achten in sein Heft.

„… Rhein, Donau, Neckar….“ die Tochter hält inne „ich bin auch so gespannt was er mir bringt!“

Ich antworte. Noch völlig gelassen und ohne Vorahnung: „Der Nikolaus bringt doch immer Süßigkeiten, oder?“

„Nein, der Nikolaus bringt jedes Jahr ein kleines Spielzeug mit.“ Das Söhnchen malt immer noch seine Achten, während er mich seelenruhig belehrt.

Spielzeug? Leichtes Flattern fährt mir durch den Magen, das Mama-Hirn fängt an zu arbeiten.

„Letztes Jahr gabs doch die Sorgenfresserchen!“ erinnert mich die Tochter.

Mein Kopf rattert und mir wird leicht flau: Die beiden haben Recht! Der Nikolaus bringt etwas Kleines zum Spielen mit.

Würde ich zu Schweißausbrüchen neige - das wäre die Gelegenheit dafür!

Ich hab die Nikolausgeschenke vergessen!

Während ich mir den Anschein gebe, dass ich das natürlich gewusst habe und gar nicht überrascht bin, arbeitet es in meinem Kopf. Was mach ich denn jetzt? Es ist, wie schon erwähnt, der fünfte Dezember am Nachmittag. Morgen ist Nikolaustag.

„Naja.“ sag ich derweil. „Vielleicht ist es dieses Jahr ja anders. Wart ihr denn auch alle brav?“

Zweistimmiges Gegröle folgt auf meine Frage. Kein Zweifel, sie sind der Meinung, sie hätten sich den Stiefelinhalt verdient. Die Tochter fängt sogar an zu singen: "Morgen, Kinder, wihirds wahas geben...". Zumindest damit liegt sie richtig. Es wird was geben. Lange Gesichter nämlich, wenn mir nicht ganz schnell was einfällt.

Ich schicke eine leicht panische SMS an den Papa: „Die Kinder sagen, der Nikolaus bringt Spielzeug mit.“

„Steht da was Kleines auf dem Wunschzettel für Weihnachten?“ kommt die pragmatische Antwort zurück.

Gute Idee.

Ich gebe die Frage direkt weiter.

„Und was denkt ihr denn, was der Nikolaus euch bringen könnte? Habt ihr euch was gewünscht?“

„Ja, klar.“ Es folgt eine Aufzählung von Dingen, die sicherlich nicht innerhalb von zwei Stunden zu bekommen sind. Außer es gäbe inzwischen einen Sofort-Lieferdienst für verzweifelte Mütter .

Die Kinder schauen mich inzwischen etwas verunsichert, aber immer noch vorfreudig an. Ich kann jetzt doch nicht einfach sagen, dass der Nikolaus dieses Jahr keine Spielsachen bringt?

Gibts einen Sofort-Not-Lieferdienst für Spielsachen?

Ich fange an zu schwitzen, in meinen Fingern kribbelt es. Mein Bauch, Herz und Kopf verlangen nach sofortiger Aktion.

"LOS. LOS. LOS!!" schreit mein Kopf.

"Panik, Panik, Panik!!" pocht mein Bauch.

"Du kannst die Kinder doch nicht enttäuschen!" klopft vorwurfsvoll mein Herz.

Anstatt aber auf den roten Notfallknopf zu drücken und panisch durchzudrehen, lächle ich weiter (wie ich hoffe beruhigend und nicht total panisch) und versichere den Kindern, dass ich nicht weiß was der Nikolaus dieses Jahr bringen wird. Das ist im Prinzip die Wahrheit. Ich hab keine Ahnung was der Nikolaus dieses Jahr in den Stiefel stecken wird. Außer dem Schoko-Nikolaus natürlich, der schon seit Tagen im Super-Spezial-Geheimfach liegt: meinem Kleiderschrank.

Die Tochter kommt auf eine Super-Idee. „Ich hol mal meinen Wunschzettel Mama, dann kannst du ja mal gucken, was der Nikolaus bringen könnte.“ Ich vermute, sie kann Gedankenlesen. Das wars dann wohl mit dem Glauben an den Nikolaus - Mama hats verkackt!

„Wollte der Nikolaus die Wunschzettel nicht eigentlich mitnehmen?“ fragt der Jüngste stirnrunzelnd. Oh Mann, warum sich Kinder immer so Krimskrams merken können?

„Hast du eigentlich noch mehr Hausaufgaben?“ versuche ich ein Ablenkungsmanöver.

„Keine Ahnung.“ Das Söhnchen zuckt die Schultern und geht sein Hausaufgaben-Heft suchen.

Jetzt wo beide Kinder beschäftigt sind, kann ich zwei Minuten in Ruhe nachdenken. Spielzeug…. Es gibt bei uns im Ort genau einen Spielzeugladen. Weil wir dort bei jedem Kindergeburtstag ein und aus gehen ist mir das Sortiment relativ bekannt. Sonderwünsche gehen nicht, aber vielleicht tatsächlich etwas kleines aus einer gängigen Spielzeugreihe?

Der Knoten in meinem Bauch hat inzwischen Faustgröße erreicht. Man stelle sich vor, die Kinder hätten morgen früh nichts im Stiefel? Es ist ja ein Glücksfall, dass sie mich überhaupt daran erinnert haben. Stellt euch diese enttäuschten Kinderaugen vor! Große Augen in kleinen Gesichtern aus denen womöglich dicke Tränchen kullern… meine Kopfhaut fängt an zu kribbeln, als ich mir das bildlich vorstelle.

DAS. GEHT. EINFACH. NICHT!

Ich habe eine Plan!

„Also Mama,….“ Die Kinder kommen mit ihren langen Listen zurück. Ich überfliege kurz und bevor die Kids noch fertig vorgetragen haben, weiss ich was ich zu tun habe. Jetzt ist nur noch das „Wann“ eine wichtige Frage. Ich kann ja schlecht mitsamt den Kindern Nikolausgeschenke kaufen gehen.

"Ich hab eine Lösung." schreib ich eine weitere SMS an den Papa und komme mir vor wie eine Superagentin. Top Secret, Under Cover, 007. Alles zusammen.

Eine Stunde später fahre ich mit den Kindern zum Sport. Ich hab beschloßen, dass ich heute nicht, wie sonst immer, auf der Tribüne verharre und den Kindern beim Karate zuschaue. Ich werde mich direkt nach dem Umziehen wieder ins Auto schwingen und in den Spielzeugladen im Ortsinneren fahren. Die Kinder schauen misstrauisch als ich verkünde, dass ich noch was dringendes zu erledigen hätte.

"Musst du etwa Nikolausgeschenke besorgen?" fragt die Tochter mit argwöhnisch erhobener Augenbraue.

"Äh." mache ich. "Viel Spaß Ihr zwei. Ich bin pünktlich wieder da!" Lächeln und winken und dann schnell weg. Im Laufschritt hechte ich wieder hinaus. Total Top-Secret! Das ich nicht lache!

Von der Turnhalle in den Spielzeugladen und Zurück. In Rekordzeit.

In Rekordzeit schaffe ich es zum Spielwarenladen. Ich drängle mich durch Massen von Eltern, die offenbar alle das gleiche Problem haben wie ich. Ich hechte zu einem der Regale, finde unglaublicherweise zwei Dinge, die auf den Wunschzetteln meiner Kinder weit oben stehen und rase zur Kasse. Auch hier hab ich Glück (manchmal läufts ja auch), die nette Dame kassiert mich sofort ab. Ich verneine, als sie fragt ob sie es einpacken darf und eile den gleichen Weg zurück zur Turnhalle. 15 Minuten hab ich gebraucht, absoluter Rekord. Zufrieden lasse ich mich auf die Treppe der Tribüne plumpsen.

"Ich hab Nikolausgeschenke gekauft!" Das ist die letzte SMS an den Papa und er antwortet mit nach oben zeigendem Daumen. "Gut gemacht!"

Ich fühle mich ein bisschen wie Tom Hanks in Cast Away, während das Adrenalin in meinem Blut noch Polka tanzt. Jawohl, ich habe Feuer gemacht! Äh, Nikoläuse gekauft, natürlich.

Haben die Kinder mich durchschaut?

Am nächsten Morgen ist die Freude groß. Unter Juchzen und Jubeln packen die Kinder ihre Stiefel aus, streicheln Schleich-Einhorn und Seehund-Familie und sind sehr seelig mit ihren neu gewonnen Spielzeugfreunden.

"Aber gell Mama, bis Weihnachten ist es jetzt nicht mehr so weit. Du bestellst den Rest der Geschenke schon noch rechtzeitig?" fragt die Tochter beim Frühstück mit Augenzwinkern. Das Söhnchen nickt über beide Backen kauend.

Wie haben die beiden mich bloß durchschauen können? Womöglich muss ich noch an meinen Agentenqualitäten arbeiten. Aber Ende gut, alles gut.

Eure Carola 😉

1 thought on “Mama? Warum hat der Nikolaus die Geschenke vergessen?”

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  • Gerade kam die Post 😊😊. Vielen Dank @mamaotr !
Wir freuen uns schon auf die erste Runde! 
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  • Ich mach grad Buchstabensuppe. Und muss mich sehr konzentrieren, dass ich nicht zu viel Wasser reinschütte.... 😁

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  • Ich hab schon wieder #Buchpost bekommen 😁😁😁. Diesmal von @biberundbutzemann. Wir lesen, wie Lilly und Nikolas ihre #Ferien an der #Ostsee verbringen. 
Ausserdem gibt es die tollen Bücher vom Biber und Butzemann Verlag noch für viele andere Regionen in #Deutschland. Unter anderem auch für den #Schwarzwald.  Das muss ich dann auch noch dringend lesen. Da sind ganz viele Orte aus meiner Heimat dabei. 😍😍 Die Rezension gibt's dann bald im Blog!

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  • Am Samstag war in Basel die #SwissBlogFamily - die Bloggerkonferenz in der Schweiz. Da gabs natürlich jede Menge Goodies zum mit nach Hause nehmen, aber vor allem ganz viel Know-How und viel Networking. Wie mein Tag dort war lest ihr in meinem neuen Blogartikel :-)
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  • Am Samstag gab es Buchpost. Unsere neue #Leserunde bei #Lovelybooks hat begonnen.  Wir lesen: "Geheim geht anders" mit Wilma und Wilhelm. Kennt ihr das schon?

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