Wir packten also die Koffer, immer noch voller Glück über die Ferienwohnung am Bodensee, die wir so kurzfristig bekommen hatten. Man macht sich natürlich so seine Gedanken darüber, aber im Prinzip war alles egal. Hauptsache Urlaub und nicht zuhause bleiben müssen. Nach ungefähr 4,5 Stunden kamen wir endlich in Lindau an. Unterwegs hatte ich noch den echt glorreichen Einfall, dass wir in Meersburg zu Mittag essen könnten. Dort verbrachten wir dann 30 Minuten damit, über alle möglichen, vollbesetzten Parkplätze zu schleichen, immer in der Hoffnung das ganz plötzlich einer frei wird. Natürlich total für die Katz. Es gab dann Laugenbrötchen aus einem Bäcker kurz vor Friedrichshafen, weil wir in Meersburg vor lauter Touristenansturm keine Möglichkeit hatten unser Auto irgendwo abzustellen. Danach überquerten wir die bayrische Landesgrenze und kamen von da an gut voran. Der stockende Verkehr löste sich auf, schnell waren wir in Lindaus Innenstadt und hatten unser Feriendomizil gefunden.

Traumhafte Lage, sanierungsbedürftiges Innenleben

Ich hatte schon erwähnt, dass die Wohnung für Bodensee-Verhältnisse relativ günstig war? Wir kamen also an. Der erste Eindruck: ein rosarotes, älteres Gebäude mit einer Hecke drum herum an einer sehr stark befahrenen Straße. Direkt rechts daneben eine Baustelle, größer als das Grundstück auf dem das Haus stand. Weil wir aber Kinder dabei hatten und außerdem froh waren, endlich angekommen zu sein, enthielten wir Eltern uns jeglichen Kommentares. Wir parkten unser Auto, suchten die Eingangstür, fanden unseren Vermieter und traten ein. Der Vermieter war ein netter, etwas zu redseliger älterer Herr. Er führte uns drei Stockwerke nach Oben ins Dachgeschoß, nicht ohne auszuführen wie schön es doch am Bodensee wäre und wie glücklich wir uns schätzen könnten, dass wir in seinem Haus eine Wohnung bewohnen dürften. Die Treppen wurden immer schmaler und das Treppenhaus immer dunkler, bis er ganz oben eine recht schmale Tür öffnete.
Blick vom Pfänder auf den Bodensee
Blick vom Pfänder auf den Bodensee
Die Wohnung entpuppte sich auf den ersten Blick als bestenfalls rustikal. Ziemlich renovierungsbedürftig, die Möbel abgelebt und billig dazu gekauft, aber soweit alles benutzbar. Dass die Kinder Bettdecken hatten, deren Bettbezüge kaputte Reißverschlüsse hatten, in der Toilette das Dachfenster undicht war, der Siphon am Waschbecken so undicht war, dass wir eine Schüssel drunter stellen mussten… ach, das haben wir erst nach und nach entdeckt. Schon beim ersten Blick in die Küche wusste ich aber, dass ich hier nicht kochen wollen würde.

Erster Tag in Lindau

Weil auch Erwachsene nicht ewig den Mund halten können (ach, ich bin heute noch so stolz auf meine Selbstdisziplin diesbezüglich) und die Kinder sowieso unter akutem Bewegungsmangel nach der Fahrt litten, gingen wir dann erstmal Lindau erkunden. Eis essen, Füße ins Wasser strecken, durch die Innenstadt toben, den Schiffen zusehen... Das Städtchen Lindau ist wirklich wunderschön. Die Kinder machten dann auch gleich Pläne für unsere fünf Tage Aufenthalt: Strandbad, Tretboot, Schifffahren, rauf auf den Leuchtturm,…. „Oh Mama, guck mal da oben, ein Zeppelin!“ … und das Zeppelinmuseum besuchen. Nach dem Abendessen in einer super leckeren Pizzeria mussten wir dann zurück. Wir wollten noch in den Supermarkt und ein bisschen einkaufen: Wasser, Obst, eine Flasche Wein, ein Eis und vielleicht noch ein Brot?

Und dann auch noch ein Feiertag...

Wer hätte auch ahnen können, dass in Bayern der 15. August ein Feiertag ist? Da ist nämlich Maria Himmelfahrt und alle Läden haben zu und keiner muss arbeiten. Na, wer würde sich da nicht drüber freuen? Ein Feiertag, mitten im Sommer. Wir jedenfalls freuten uns nicht. Die Kinder waren müde, ich hatte Durst und mir gruselte vor dem Leitungswasser in der Ferienwohnung. Meinem Mann erging es ähnlich. Also fragten wir den Alleswisser im Handy nach einer Tankstelle und deckten uns dann dort mit Getränken ein. Und mit einem großen Eis für die Kinder, die mittlerweile doch recht müde vom vielen Laufen geworden waren.
Kreuzspinne
Kreuzspinne - sehr heimisch im warmen Bodenseeklima
Und dann gingen wir nach Hause in die Ferienwohnung. Um frische Luft zu haben, hatten wir vor unserem Ausflug die Balkontüren geöffnet und offen gelassen. Wir gingen hinein, packten unsere teuer erstandenen Getränke aus und wollten uns auf den Balkon setzen.

Spinnen! So viele Spinnen!

Der Sohn war als erstes draußen und jauchzte ganz verzückt: „Oh schaut mal, hier sind ganz viele tolle Spinnen!!“ Spinnen? „Sag mal, haben wir mein Lupenglas eingepackt? Kann ich da ganz viele von den Spinnen rein machen?“ Ganz viele Spinnen? Weg war das Kind und während ich hören konnte, wie er im Hintergrund den Koffer auseinanderrupfte um besagtes Lupenglas zu suchen, war mein Mann auf dem Balkon, die Tochter hinterher. Ich brauchte gar nicht so weit zu gehen, denn als ich den Blick an die Decke hob, hing über dem Tisch eine große, ziemlich dickbeinige braune Spinne und spann dort munter ein Netz von der Wohnzimmerlampe bis hinüber an die Balkontür. „Das musst du dir anschauen!“ meinte derweil ganz cool der mutigste Ehemann von allen. Ich setzte also einen Fuß auf den Balkon und schaute seinem Zeigefinger hinterher nach oben, in die Gaube des Dachs genau oberhalb der Balkonmöbel. Also echt, ich hab keine Phobie vor Spinnen oder sowas.
Kellerspinne
Hausspinne "Egon" - wer einen Namen hat, kann nicht gruslig sein. Oder?
Aber wenn dreißig bis vierzig Spinnen über dem eigenen Kopf in der Gegend herumkrabbeln – da kann man schon mal ein bisschen... erschrecken?!?. „Iiiiih!“ machte ich also und duckte mich wieder nach drinnen weg. Das war so ziemlich mein erster und letzter Schritt auf den Balkon. Da krabbelten also gut drei oder vier Dutzend Spinnen herum, webten ihre Netze und fraßen anderes Kleingetier, was sich ebenfalls vom Licht in der Wohnung angezogen fühlte. Im Wohn-Essbereich hatten sich fünf größere und kleinere Spinnentiere eingefunden. Sie hatten sich wohl schon einige Zeit vor uns hier eingemietet. Der mutigste Mann von allen sammelte dann mit einem großen Glas und einem Stück Pappe alle Krabbelviecher ein. Zu unserem Glück war wenigstens das Schlafzimmer spinnenfrei, so dass wir die Kinder unbesorgt ins Bett brachten. Unser nettes Glas Wein tranken wir dann drin.

Mit dem Staubsauger gegen die achtbeinigen Mitbewohner

Der Vermieter saugte alle Spinnen am dritten Tag mit einem Staubsauger aus der Gaube. Fröhlich plaudernd informierte er uns, dass er das öfters machen würde, aber die Putzfrau da nicht ganz so gründlich sei, wenn sie die Wohnungen herrichtete. Die Erzählung passte zum Gesamtzustand der Wohnung. Nach der Aktion mit dem Spinnensauggerät hatten wir dann immerhin einen ganzen Abend lang keine achtbeinigen Krabbelviecher mehr. Dafür viele kleine Mücken und ein paar Stechmücken, weshalb ich die Kinder dann mit Insektenspray behandeln musste. Eine interessante Information, die ich aber leider erst bekam als wir wieder Zuhause waren: Eine Freundin, die zehn Jahre am lang Bodensee gelebt hatte erzählte mir, dass sie als Studenten schon immer Spinnen gehabt hätten. Und das sie sie auch immer hängen und leben gelassen hätten, weil sie das einzige verlässliche Mittel gegen die Stechmückenplage im Hoch- und Spätsommer darstellten. Und da wunderte es mich mit einem Mal auch nicht mehr, dass unsere Ferienwohnung keine Insektennetze vor den Fenstern gehabt hatte. Die Spinnen leisteten ganze Arbeit und deshalb brauchten die Leute dort keine Insektengitter. Oder zumindest die Leute nicht, die keinen Grusel vor Spinnen haben (und vermutlich einen Haufen Geld für Insektennetze sparen wollen!).

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  • Wir lesen Liliane Susewind 💜 wie immer mit diesen großartigen, schönen Illustrationen von Eva Schöffmann-Davidov. Einfach toll.

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