Neulich, als ich mal wieder stöhnte, dass der Keller überläuft und ich keine Ahnung hätte, was ich mit dem ganzen Zeug machen soll, sagte meine Freundin: "Probier das mal mit so Internet Kleinanzeigen. Weisst du, die mit den vier Buchstaben. Das ist super, da gibts sogar ne App. Da gehst du in den Keller, machst schnell ein Foto, schreibst nen kleinen Text und kaum hast du es veröffentlicht, dann ist es auch schon verkauft! Geht ganz einfach!" Okay. Gesagt getan, ich probier das mal aus! Ganz ehrlich, ich hab noch nicht oft was bei irgendwelchen digitalen Kleinanzeigen verkauft. Ich bin normalerweise eher die Einkäuferin. Und ansonsten Sammlerin von allem möglichen Zeug. Leider vererbt sich das offenbar an die Kinder weiter - die Sammelleidenschaft füllt unsere Schränke, Regale und den Keller. Eine Lösung muss her, sonst wird unsere Wohnung irgendwann überquellen. Und das innerhalb der nächsten Zeit, denn wir sammeln schon echt lange. Ich mache eine Bestandsaufnahme:
  • Spielzeug: die Kinder schreien mich schon an, wenn ich die Türen öffne, auf der Suche nach Dingen die evtl. noch Geld abwerfen können: "NEIIIIIIN, wir wollen unsere Spielsachen nicht hergeben!"
  • Bücher: Die echt wertvollen gehören nicht mir, sondern der Bücherei oder anderen leseverrückten Freunden. Leider unverkäuflich. Tja. Hätte ich mal beizeiten in Hardcovers anstatt in Taschenbücher, oder noch schlimmer weil gar nicht verkäuflich, E-Books investiert.
  • Klamotten: ähnliches Drama wie bei den Büchern. Mein Kleiderschrank quillt zwar über. Leider sind die Markenklamotten schon so alt wie meine Tochter und alles was danach kam, kann ich auch gleich in die Altkleidertonne werfen. "Naja, jetzt übertreib mal nicht!" sagt mein Mann. Okay, ich überlegs mir noch mal.
  • Katze: ist grade ziemlich viel wert, weil sie neulich eine Begegnung mit dem OP-Tisch beim Tierarzt hatte. Aber leider wird sie niemand kaufen. Außerdem will ich meinen Kater auch gar nicht los werden. Da gehts mir wie den Kindern: "NEEIIIIIIN!"tutut
Ich entschließe mich, mein Glück mit einer Tut-Tut Babygarage zu versuchen. Die Kinder spielen den ganzen Nachmittag damit, während ich versuche gute Fotos davon zu machen. "Mama, können wir die nicht noch behalten?" Och nö! Außerdem putze ich die Reitstiefel meiner Tochter, poliere sie auf Hochglanz und versuche ebenfalls gute Fotos davon zu machen. Aus meinem Kleiderschrank suche ich ein Strickkleid vom letzten Jahr heraus, dass ich nur einmal getragen habe. Mich selbst will ich auf den Fotos nicht sehen, also lege und hänge ich das Kleid an verschiedene Orte. Aber die Kamera kriegt nicht mal die richtige Farbe hin. Na, wenn das mal was wird. Ich hoffe, dass ich demnächst in totalen Verkaufsstreß komme und beschließe, dass drei Artikel erst mal genug sind. Die Bodum-Teetassen und das Weight Watchers Set werde ich später verkaufen. Tatsächlich ist die App kinderleicht zu bedienen, innerhalb von einer Stunde hab ich alle drei Artikel eingestellt. Ich bin gespannt. Wann werden sich wohl die Käufer melden? Ich warte. Und warte. Und mach dann erst mal eine Maschine Wäsche, weil die Welt offensichtlich doch nicht auf meine Angebote gewartet hat. Sage und schreibe werden vier Tage daraus, bis sich jemand meldet, der die Tut-Tut Garage kaufen möchte: "Hallo, ich hol die Garage morgen ab für 20€. i.O.?" Nein, ist es nicht. Ich hab das Ding nämlich für mehr Geld eingestellt. Immerhin sind auch noch sechs Tut-Tut Autos dabei. Die kosten im Original jedes fast sechs Euro. Ich schreibe also genau das zurück - und höre nie mehr von dem Typen. Danach meldet sich einer, der auch lieber nur 25 Euro zahlen würde. Während den Preisverhandlungen - bei denen ich nicht von meinem Preis runtergehe - schickt er jede Menge nette, wütende, traurige und lächelnde Smilys. Er willigt ein, wir stimmen ein Datum zur Abholung ab. An Tag X fahr ich extra früher nach Hause, treibe die Kinder an, bin ganz gestreßte Mutter. Dann ist es 17 Uhr - er kommt nicht. Auch nicht eine halbe Stunde später. Gegen 20 Uhr frage ich per App, ob er das Spielzeug noch haben will. Es stellt sich raus, dass er den Termin vergessen hat und jetzt leider die nächsten paar Wochen nicht mehr in die Gegend kommt. Ich soll es einfach noch mal einstellen, sagt er. Leichter gesagt als getan, ich hab die Anzeige auf Anweisung der Kleinanzeigen App schon gelöscht. Jetzt kann ich sie nicht mehr neu aktivieren. Unnötig zu sagen, dass ich das Spielzeug in der Zwischenzeit an drei andere Käufer hätte verkaufen können! Am nächsten Tag meldet sich jemand auf die Reitstiefel: "Hallo, haben Sie auch Reitstiefel in Größe 35 und einen Reithelm für Kinder?" Äh? Ich finde, mein Angebot ist eindeutig: "Reitstiefel Größe 29" hab ich geschrieben. Am liebsten würde ich zurückschreiben, dass ich auch noch ein Pferd im Garten stehen habe, dass sie gerne gleich mit kaufen kann, nachdem sie mein Spezialgeschäft für Reitartikel besucht hat - wo sie ganz sicher alles findet was sie braucht und noch viel mehr. Als ich nicht mehr hysterisch kichern muss, schreibe ich ganz brav zurück, dass das leider nicht der Fall ist und das meine Tochter mit Fahrradhelm reitet. Dann noch das Kleid: ich erhalte eine Anfrage, messe das Kleid aus, schreibe der Dame zurück aus welchem Material es ist. Leider ist es ihr zu kurz und sie kauft nicht. Und seither ist es wieder sehr still geworden. Ich vermute fast, ich muss meine Verkaufsstrategie noch einmal überdenken. Oder mein Angebot. Oder vielleicht geh ich einfach mal auf einen richtigen Flohmarkt. Da erlebt man dann wenigstens richtige Geschichten mit echten Leuten!  

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