Während wir zur Fasnacht Kostüme vorbereiten und Gesichtsschminke testen, wird unsere Katze Leo ganz unvermittelt krank. An einem Tag frisst er noch und springt ein paar frühen Insekten draußen hinterher. Am anderen Tag liegt er platt herum und schläft nur noch. Kleiner Spoiler: die Geschichte geht gut aus, Leo ist wieder gesund. Aber knapp wars!

Tag 1:leo

Nach der Arbeit komm ich nach Hause und finde Leo auf dem Balkon, wo er bei Regen den ganzen Tag auf dem überdachten und mit einer Decke gepolsterten Katzenstuhl verbracht hat. Das kommt häufig vor, wenn er morgens ganz früh raus geht und nicht zurück kommt bis wir anderen alle zur Schule und zur Arbeit gehen müssen. Normalerweise springt er dann sofort auf, wenn ich komme, maunzt und freut sich. Heute trag ich die Katze ins Wohnzimmer, weil sie sich nicht von alleine bewegt. Die Augen sind eingefallen, das Maunzen ein heißeres Kratzen. Irgendwas stimmt nicht.

Tag 2 und 3:

Leo frisst nicht. Damit meine ich nicht wenig oder nur ein bisschen. Die Katze frisst gar nichts. Und er trinkt auch nicht. Seine Augen liegen tief, die Nase läuft. Er maunzt fast gar nicht mehr. Ich denke, er hat sich erkältet. Am dritten Tag lass ich ihn nicht mehr raus, als er aufs Klo muss. Ich hab Angst dass er nicht mehr alleine zurück kommen kann. Es ist Mittwoch. Kein Tierarzt hat Sprechzeit, wir müssen auf morgen warten. Ich gebe zu, ich bin mit den Nerven ganz schön fertig.

Tag 4:

Es ist schmutziger Donnerstag. Im Kindergarten und in der Schule sind Fasnets-Parties. Morgens mach ich die Kinder fertig, wir ziehen die Kostüme an und die Kinder verlassen fröhlich das Haus. Und ich bin froh, dass ich nicht mit Ihnen fröhlich sein muss. Leo ist inzwischen ziemlich abgemagert, die Augen liegen tief in den Höhlen. Er miaut überhaupt nicht mehr.Homöopathie
Nachmittags gehen wir zur Tierärztin. Leo hat immer noch nichts gefressen.  Bei Tierärztin und Tierheilpraktikerin herrscht Ratlosigkeit.  Wir bekommen ein bisschen Homöopathie und eine Vitamin-Aufbau-Spritze fürs Imunsystem. Außerdem ein Antibiotikum, falls es doch ein bakterieller Erreger ist, der sich versteckt hält. Am Samstag sollen wir wieder kommen.

Tag 7:

Leo steht nicht mehr auf, schläft nur noch. Aber er schnurrt wenn ich ihn streichle, wobei ich schon Katzen kurz vor ihrem Tod hab am lautesten schnurren hören. Das ist also kein Anzeichen für Besserung oder ähnliches. Ich geb ihm Wasser mit einer kleinen Aufziehspritze. Beim Tierarzt nehmen wir Blut ab, die Werte sind unauffällig. Leo wird geröntgt. Aber auch die Röntgenaufnahmen sind unauffällig. Auf mein Bitten hin bekommt er eine Infusion, weil ich Angst habe, dass er verdursten könnte. Die Heilpraktikerin packt daraufhin auch noch Mineralstoffe in den Tropf.
Die Tierärztin sagt zum Abschied, dass wir uns übers Wochenende jederzeit bei ihr auf dem Smartphone melden könnten. Das macht mir keinen Mut, Handnummern gibt es hier nur für absolute Notfälle. Nach der Infusion geht es Leo etwas besser. Er bewegt sich wieder mehr und schleckt sein Futter ab. Danach legt er sich wieder auf sein Plätzchen. Nachts lieg ich wach und hoffe darauf, dass Leo endlich am Futternapf das Trockenfutter umgräbt. Aber es passiert nichts.

Tag 6:

Keine Besserung. Im Internet lese ich, dass Halsschmerzen bei Katzen oft unentdeckt bleiben, weil der Hals nicht richtig rot wird. Dann fressen sie nicht mehr und haben sonst alle Symptome einer Erkältung. Die Nachbarin empfiehlt, wir sollten noch ein paar andere Globuli ausprobieren. Sie ist keine Tierärztin, aber sie weiß allerhand über alternative Heilmittel. Also mische ich Aconitum, Echinacin und Belladonna ,löse es ihn Wasser auf und spritze es Leo ins Maul.Homöopathie2
Nachmittags kommen die Großeltern, wir wollten auf den Fasnachtsumzug. Ich hab keine Lust, weil ich mir wirklich sehr große Sorgen um meinen Stubentiger mache. Glücklicherweise regnet es, so dass wir eine Ausrede haben. Ich zieh die Kinder trotzdem lustig an, wir feiern zuhause ein bisschen Fasnacht.
Mittags und Abends bekommt Leo nochmal seine Globulis und schläft dann weiter.

In der Nacht:

Ich wache auf weil der Blechnapf mit dem Trockenfutter auf dem Boden herum geschoben wird. Dann hör ich es an der Schranktür mit dem Futter kratzen. Als ich aufstehe sieht mich eine ziemlich verdatterte Katze ziemlich hungrig an. Und miaut mich krächzend an! Das ist so ungefähr das schönste Geräusch, dass ich in den vergangenen Tagen gehört hab. Ich geb ihm Futter, seh ihm beim fressen zu. Danach legt er sich zu mir. Ich kann es kaum glaube, als er zwei Stunden später schon wieder aufsteht um zu fressen. Natürlich immer nur sehr wenig, aber das ist besser als nichts.

Tag 7:

Wir haben wieder einen Termin beim Tierarzt.  Leo hat morgens eine halbe Portion Nassfutter gefressen und sich auch mal wieder geputzt. Er ist extrem mager, sieht aber sonst ganz gut aus. Selbst die Augen wirken wieder lebendiger, die Nase ist nicht mehr triffig.
Sowohl die Tierarzthelferin als auch die Tierärztin sind sehr überrascht über die Wendung. Die Ärztin sagt mir rundheraus, dass sie immer noch keine Ahung hat, was die Katze hatte und sie hätte auch nicht gedacht, dass er das Wochenende überlebt.
So doof das klingt: ich auch nicht.
Ich nehm Leo wieder mit nach Hause. Staunend beobachten wir den Rest des Tages die rasche Besserung seines Gesundheitszustandes. Er frisst ungeheuerliche Mengen von allem, trinkt, will Nachmittags wieder in den Garten. Ich geb ihm weiterhin das Globuliwasser.
Auch die nächsten Tage frisst er viel, am Mittwoch fängt er die erste Maus, die er uns stolz vor die Terrassentür legt. Am Freitag hat er nahezu sein altes Gewicht erreicht. Ich bin sprachlos! Die Tierärztin auch, als sie interessehalber vor dem Wochenende noch mal anruft und wissen will, wie es ihm geht.
Ich frage mich, ob es nicht doch die Halsschmerzen waren. Was Leo wohl erzählen würde, wenn er sprechen könnte?

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