Hi, Leo hier!

so, jetzt habt ihr schon lange nichts mehr von mir gelesen. Manchmal bin ich einfach nur faul und liege im Bett rum. Bestimmt kennt ihr das. Frauchen sagt, es liegt an meinem fortgeschrittenen Alter - was für eine prima Ausrede!!  Ich schlafe aber grade echt sehr viel - als Katze kann man zu dieser Jahreszeit sowieso nicht viel anderes tun. Und dann bin ich meistens zu träge, um meine Geschichten aufzuschreiben. Heute früh hab ich zum ersten Mal wieder Vögel zwitschern gehört. Wie cool ist das denn! Endlich wieder den kleinen Federbüscheln hinterher springen. Das ist mein allerliebstes Hobby! Jetzt hoffe ich, dass bald der Frühling kommt, aber Frauchen meint, der Winter wäre noch längst nicht vorbei. Boah, alte Schwarzseherin! Leider war ich wegen der Vögel dann auch total früh wach und bin jetzt hundemüde. Wir haben leider heute Nacht nur wenig geschlafen.

Und Schuld daran war Kater Iksi.

Iksi ist weg - aber wo ist er hin?

Mein lieber Mitbewohner Kater Iksi ist nämlich verschwunden! Einfach so. Wir hatten nicht mal gemerkt, dass er überhaupt spazieren gegangen war. Jedenfalls kam er auch über Nacht nicht zurück - und da war natürlich ganz großes Drama angesagt.

Kater Iksi kennt ihr noch oder? Der ist vor zwei Jahren hier eingezogen. Frauchen hatte darüber berichtet. Wir Kater vertragen uns inzwischen eigentlich ganz gut und es war schon komisch, als ich für einen Tag lang wieder Alleinherrscher über alle Näpfe und Betten war. Das war so ein seltsames Gefühl, dass ich mich zusammen mit Frauchen und Kindern vor der Balkontür gesetzt hab und ins trübe Wetter starrte, weil wir hofften, dass der Iksi wieder heim kommen wird.

Kam er aber nicht. Den ganzen Tag nicht. Und die ganze Nacht nicht.

Ein kleiner Spaziergang mit großen Folgen

Alles fing gestern früh an. Die Kinder waren krank, Frauchen hatte keine Zeit für uns und die Kinder lagen in ihren Betten. Sie husteten und schnieften und uns Fellnasen war nicht geheuer. Ich hab mich dann ins Schlafzimmer verkrochen. Iksi fand aber nicht gut, dass seine Betten von den kleinen Menschen belagert wurden. Er ist sonst ja sehr anhänglich, aber die ständige Unruhe war ihm dann doch zu viel.

Iksi schläft
Normalerweise hat Iksi mindestens eins der Betten ganz für sich allein...

"Das ist doch Kacke heute. Wieso stehen die Kleinen nicht mal auf?" maunzte er wütend und sprang aus dem Bett vom größeren Kind, als ein wahrer Hustentornado über ihn hereinbrach.

"Denen gehts nicht gut. In ein paar Tagen wirds besser. Such dir halt nen anderen Platz!" Ich drehte mich noch mal um und schlief ein. Ich hörte den großen, schwarzen Kater noch genervt schnaufen, danach war Iksi schon nicht mehr da.

Wie sich später herausstellte, hatte er sich noch füttern lassen und war dann zur offenen Tür hinausspaziert. Eigentlich alles wie immer. Erwartungsgemäß hätte er spätestens zur nächsten Mahlzeit wieder da sein sollen - Iksi ist nämlich irre verfressen. Er kam aber nicht.

"Wo ist denn Iksi?" fragte das kleinere verschnupfte Kind beim Abendessen.

Ich kriegte das alles nur mit, weil ich neben dem Tisch in Warteposition hockte. Nach dem Abendessen der Menschen kriegen wir nämlich immer ein paar knusprige Extrahappen. Und wenn das Frauchen mit der dazugehörigen Dose klappert, dann hören wir das bis weit über den Nachbarsgarten und rasen sofort nach Hause zurück. Das lassen wir uns nicht entgehen - egal wie weit wir entfernt sind. Im Gegensatz zu mir, weiß Iksi sogar ungefähr, wann es Zeit für Leckerlis ist. Von daher war es höchst ungewöhnlich, dass er nicht schon wie ein Tiger um den Napf herum strich.

"Hm. Weiß auch nicht!" antwortete das Frauchen mit einem fragenden Blick zum Rest der Familie und auf mich.

Aber ich wusste ja nun wirklich von gar nichts. Ich hatte ja geschlafen. Und selbst wenn ich etwas gewusst hätte, die Menschen hören uns Katzen ja eh nicht zu.

Wir gehen Iksi suchen - und finden ihn natürlich nicht.

Tja und dann wars natürlich vorbei mit der Ruhe. Das Frauchen zog dicke Stiefel, Mantel und Mütze an und machte einen langen Spaziergang um die Nachbarshäuser.

"Na Leo, begleitest du mich ein Stückchen?" Frauchen strich mir geistesabwesend über den Kopf und sondierte dabei die Straßenränder.

Ganz ehrlich - wie wenn schon jemals eine Katze, die krank oder verletzt war, am Straßenrand gewartet hätte, bis die Menschen anfangen nach ihr zu suchen! Pah! Aber nie im Leben! Solange wir noch zwei von vier Pfoten bewegen können, solange können wir auch noch ins Gebüsch robben. Ist doch total gefährlich so ohne Schutz auf der Straße zu liegen!

Iksi fanden wir natürlich nicht.

"Naja, dann ist er vielleicht doch nur irgendwo eingesperrt." murmelte das Frauchen.  Sie rechnete wohl mit dem schlimmsten - wie immer. Ich sags ja: Drama! Katzen sind ja nun auch nicht aus Zucker. Trotzdem wirkte es so, als wäre ihr diese Erkenntnis selbst kein Trost, denn ihr Gesichtsausdruck blieb stirnrunzelnd besorgt. Zuhause waren auch die Kinder ganz aufgelöst. Klar, Iksi ist ja der Kinder-Kater. Der lässt normalerweise alles mit sich machen und schnurrt immer. Mir ist das ein bisschen unheimlich, wenn die kleinen Menschen ihren Kopf auf mich legen möchten oder ihre Arme ganz um mich herum schlingen. Aber Iksi macht das nix - der findet so viel Geschmuse total gut.

Nun wurde ich - als Ersatz - geknuddelt, geschmust und gestreichelt. Und sagen wir mal so: das eine Mal wars gar nicht so schlimm. Ich mein, es war ja schon doof, dass wir alle nicht wußten, wo sich der Iksi Kater in dieser Nacht herumtrieb.

Hätte ich was zu sagen gehabt, hätte ich mal eine böse Schimpftirade auf meinen schwarzen Mitbewohner abgelassen. Aber auf mich hört ja eh keiner. Ich weiß nämlich, dass Iksi nicht nur sehr verfressen sondern auch wahnsinnig neugierig ist. Der schnuppert in jede Garage, in jeden Schuppen und in alle Ecken und Winkel - könnte ja was interessantes drin sein! Und ganz bestimmt hat er diesmal zu lange geschnüffelt. Und weil die Menschen überhaupt nicht damit rechnen, dass irgendwo eine Katze ist, haben die das betreffende Tor oder die Tür dann einfach zugesperrt. Dann kannst du als Katze halt echt nix machen, außer zu warten bis irgendwer wieder aufmacht. Weil aber auch Menschen bei dem doofen Wetter lieber zuhause als unterwegs sind, haben die natürlich nicht noch mal nachgeschaut, sondern es sich auf ihrem Sofa gemütlich gemacht.

Eine unruhige Nacht und ein Happy-End.

Iksi kam also während der Nacht nicht nach Hause. Dementsprechend war die ganze Familie sehr unruhig. Wir mussten ja ständig zum Fenster rausschauen und die Terrasse bewachen. Als die Kinder heute Morgen aufwachten, war dann die erste Frage: "Ist Iksi schon wieder da?" und als das Frauchen verneinen musste, gabs lange Gesichter und die ersten Tränchen. Das kleinere Kind glaubt zum Glück noch wenn das Frauchen sagt "Der kommt schon wieder." Das große Kind ist allerdings schon zu groß für solche "Erwachsenen-Notlügen".  Und so saßen wir dann wieder zu dritt vor der Terrassentür: Das kleinere Kind, das große Kind und ich. Wie gesagt, es war schon etwas seltsam, wieder der alleinige Herr im Haus zu sein!

Warten auf Iksi
Alle warten auf Iksi - aber draußen gibts genau gar nichts zu sehen. Nicht mal Nachbarskater Finn spaziert heute vorbei...

Irgendwann, als es uns gerade ordentlich langweilig geworden war und ich beschloss, ein Nickerchen zu machen, da miaute es plötzlich vor der Tür: Iksi kam herein gerannt, wie er es immer tut. Das Frauchen sagt, es ist ein bisschen wie mit diesen Aufzieh-Autos für kleine Kinder - kaum macht man die Terrassentür auf, da rast die Katze los, wie wenn sie einen Raketenantrieb hätte. Ohne ein weiteres Wort zu seinem Verbleib schlang er unter viel Gestreichel und Geschmuse zwei Portionen Katzenfutter hinunter. Dann lies er die Freudenfeier der Kinder über sich ergehen und seither schläft er jetzt. So ein dummer Kerl! Bestimmt war er in der benachbarten Gärtnerei in einem der Gewächshäuser eingeschlossen. Dafür spricht zumindest, dass er so fürchterlich erdig und staubig war, als er wieder rein kam.

MIR wäre sowas ja nicht passiert. Ich bin viel zu vorsichtig dafür. Ich lass mich auch nicht von Hinz und Kunz anfingern, dass mag ich nicht. Und fremde Garagen und sonstige "drinnen-Orte" versuche ich möglichst zu vermeiden. Außerdem saß ich ja schon mal eine ganze Nacht lang auf einem Baum fest. Das hat mir völlig gereicht.

Wie? Hab ich euch noch nicht erzählt? Wie ich bei Wind und Wetter eine ganze Nacht im Nadelbaum saß? Und wie dann die Feuerwehr kommen musste, weil ich keine Ahnung hatte, wie ich da wieder runterkommen soll? Ha! Das ist mir zwar ein bisschen peinlich, aber vielleicht erzähl ich euch dann beim nächsten Mal.

Bis dahin, ich geh jetzt mal ein ernstes Wörtchen mit Iksi sprechen!

Euer Leo!

 

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